Kommentar Kalbach

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Lebenszyklus im Blick

Kalbach-Süd
Gibt es eine Bauweise, die hohe energetische Anforderungen, Generationsgerechtigkeit und Kosteneffizienz im Lebenszyklus – die ökonomische Stabilität eines Gebäudes – vereinen kann? Gibt es sie, auch (oder gerade) wenn Architekten (scheffler + partner) auf konventionelle Dämmsysteme verzichten wollen und so Sonderabfall vermeiden helfen? Kalbach Süd ist die bejahende Antwort. Die weltweit ersten Passiv‐Mehrfamilienhäuser weisen durch den Einsatz neuer monolithischer und multifunktionaler Baustoffe auch im Betrieb minimale Sanierungskosten auf. Sie sind barrierefrei und generationengerecht. Statt diese baulichen Anlagen zugunsten einer dogmatischen Interpretation des Passivhauses (Treppenhäuser/Aufzüge in der warmen Hülle als unbeliebte Heizlasten; Übergänge zu kalten Parkebenen als thermische Schwachstellen) aufzugeben, wurde ein Konzept zur thermischen Trennung entwickelt und konsequent verfolgt. Die bauphysikalische, wissenschaftliche Begleitung durch das sog. Life Cycle Engineering durch Variantenstudien, Öko‐Bilanzen, Lebenszykluskostenanlaysen und stringente thermische Detailbewertung durch FEM‐gestützte Simulationen war Aufgabe der Fachplanung Bauphysik und Nachhaltigkeit. Ausgewählte Aspekte werden gelehrt.
Kalbach Süd, © scheffler + partner, Frankfurt


Bürogebäude Hager
Die sog. Zertifizierungssysteme stellen die Bauwirtschaft vor neue Aufgaben und Wertungen und man mag sich fragen: Worauf kommt es an, um eine bestimmte Wertung zu erreichen? Lange vor der Existenz dieser Systeme, planten schneider+schumacher Architekten das Bürogebäude Hager. Die Architektur besticht durch eine themen‐immanente Sprache, die sich nicht nur in den abwechselnden Fassadenelementen widerspiegelt: Strom „ein/aus“ in „transparent/opak“ bzw. „offen/geschlossen“. Intelligent mit der überschüssigen Produktionswärme versorgt, mit einer modular aufgebauten Fassade versehen und mit einer vollkommen integrierten (gar unsichtbaren) Gebäudetechnik, entstanden flächeneffiziente, helle und freundliche Räume. Noch dazu: Gemeinsame Studien von bollinger+grohmann (geleitet von L. Messari‐Becker) und schneider+schumacher (geleitet von N. Delius) belegen, dass das Gebäude bei einer nachträglichen Bewertung nach einem nationalen System bisherigen Entwicklungen souverän standhält. Das Energiekonzept und die Modularität wirken sich auf die Öko‐Bilanz und die Lebenszykluskosten positiv aus. Der visuelle und akustische Komfort sichert eine hohe soziokulturelle Qualität. Die Stufe Silber im Sinne der Bewertung wäre problemlos erreichbar, Gold eine reine Optimierungsaufgabe. Die aus Siegen stammende Architektin Nina Delius berichtet als Gastvortragende über ausgewählte Aspekte integraler Planung.

© schneider + schumacher, Frankfurt Wien Tianjin, Bürogebäude Hager, Blieskastel, Foto © Jörg Hempel Photodesign, Aachen